Kelheim

Präsentation des ersten „Ackers für die Vielfalt“ in Bayern am 10. Juli 2009 in Kelheim

Unter Teilnahme von zahlreichen Ministeriums-, Behörden-, Verbands- und Politikvertretern wurde am Freitag, den 10.7.09, in der Sandharlander Heide bei Abensberg, Landkreis Kelheim, der erste „Acker der Vielfalt“ in Bayern eingeweiht. Dieter Sedlmayer, Referatsleiter Landschaftspflege und Naturschutzförderung beim Bayerischen Umweltministerium, und Dr. Thomas van Elsen von der Universität Kassel als Vertreter des Bundesprojektes, überreichten zu diesem Anlass den lokalen Akteuren (Bund Naturschutz, Landkreis Kelheim und Landschaftspflegeverein VöF) eine Urkunde, die die Flächen offiziell in das bundesweite Netz solcher wertvollen Ackerflächen aufnimmt.

In seinem Grußwort bedankte sich Landrat Dr. Hubert Faltermeier beim Bund Naturschutz, der Stadt Abensberg, dem Landschaftspflegevereins Kelheim und vor allem der Landwirtschaft, die sich seit mehr als 20 Jahren für den Erhalt des „Kleinods des Naturschutzes“ einsetzen. „Natürlich sind wir auch ein bißchen stolz, dass der erste bayerische Acker der Vielfalt im Landkreis Kelheim ausgewählt wurde“ gab er zu.

„Vielfalt zeichnet die Landschaft um Sandharlanden aus“ begrüßte der zweite Bürgermeister Anton Kiermeier aus Sandharlanden die zum Teil aus Nordbayern angereisten Gäste.

v.l.n.r.: Dr. Thomas van Elsen (Projekt „100 Äcker für die Vielfalt“), BN-Kreisvorsitzender Peter Forstner; Beate Krettinger (Projektkoordinatorin Bayern); MdL Dr. Andreas Fischer; stellv. Bgm. Anton Kiermeier; Landrat Dr. Hubert Faltermeier; Klaus Blümlhuber (Landessprecher der Bayerischen Landschaftpflegeverbände, Geschäftsführer VöF); stellv. VöF-Vorsitzender Hans Senft; Lt MR Dieter Sedlmayer (StMUG)

Thomas van Elsen stellte in seinem Beitrag den gravierenden Rückgang der Ackerwildkräuter durch Flächenintensivierung bzw. Brachfallen dar. „50% der Ackerwildkräuter stehen mittlerweile auf der Roten Liste mindestens eines Bundeslandes in Deutschland“ führte er aus. „Bayern ist nach Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen nun das dritte Bundesland, in dem „Äcker der Vielfalt“ ausgezeichnet werden“ gratulierte er den Anwesenden.

Klaus Blümlhuber, Sprecher der bayerischen Landschaftspflegeverbände, hob hervor, dass alleine die Konzeption der Landschaftspflegeverbände, nämlich das gleichberechtigte Miteinander von Naturschutz, Landwirtschaft und Kommunalpolitik die Verbände zu wichtigen Partnern im Bundesprojekt mache. „Die Erfahrungen und Ideen aus der Praxis fließen in dieses Vorhaben mit ein“, betonte er, „ohne die Landwirte, die in Absprache mit dem Landschaftspflegeverein die Bewirtschaftung durchführen, wären solche Projekte gar nicht möglich“.

Dr. Willi Zahlheimer (Reg.v.Niederbayern) zeigt die pflanzlichen Besonderheiten des Ackers

Auch aufgrund solcher Projekte sei man in Bayern beim Schutz der Ackerwildkräuter wieder auf einem guten Weg, lobte Leitender Ministerialrat Dieter Sedlmayer vom Bayerischen Umweltministerium das Projekt „100 Äcker für die Vielfalt“. Das Artensterben aufzuhalten sei auch eines der Ziele der bayerischen Biodiversitätsstrategie, die im April des Jahres 2009 von dem bayerischen Ministerrat beschlossen wurde und die in der enger Zusammenarbeit mit den betroffenen Verbänden und Institutionen, vor allem mit den Landnutzern und Grundeigentümern, umgesetzt werden soll. Beim Ackerwildkrautschutz müsse an den Erfolg der 1990er Jahre angeknüpft werden, als bayernweit 2.000 Hektar Ackerrandstreifen unter Vertrag waren. Die Sandharlander Heide bezeichnete er als ein „Leuchtturmprojekt des Naturschutzes“ in der Region und ermutigte die Beteiligten, in diesem Sinne weiter zu arbeiten.

Bei der anschließenden Exkursion zu den Sand- und Kalkscherbenäckern der Sandharlander Heide unter der Führung von Martin Eicher (VöF Kelheim) und Dr. Willi Zahlheimer (Reg.v.Niederbayern) wurde den Anwesenden die Geschichte der Fläche sowie die Vielfalt der Pflanzenarten erläutert.

Bayernweit arbeiten mittlerweile 20 Projekte von Coburg bis ins Lechtal unter der Koordination des Landschaftspflegeverbandes Mittelfranken zusammen, um die bunte Vielfalt der Ackerwildkräuter auch für künftige Generationen zu erhalten. Kriterien für eine Auszeichnung sind ein außergewöhnliches Artenvokommen, eine auf den Schutz der Ackerwildkräuter ausgerichtete Bewirtschaftung und eine langfristige Flächensicherung.

„Das Ziel müssen nicht 100 sondern 1000 Äcker sein“ appellierte Thomas van Elsen an die Anwesenden, alles in ihrer Zuständigkeit Mögliche für den Schutz der Ackerwildkräuter zu tun.

Kontaktadresse: Beate Krettinger, Regionalkoordination Bayern, Tel.: 0981 – 4653-3528, krettinger[at]lpv-mfr.de