Bundesweite Befragung

Recherchen zum Status Quo des Ackerwildkrautschutzes in Deutschland

Kalkacker am Hohen Meißner
Kalkacker am Hohen Meißner

Zur Evaluierung der Schutzbemühungen für die Segetalflora in Deutschland wurde zu Beginn des Projekts eine Erfassung mittels einer Fragebogenaktion durchgeführt. Die Fragebögen wurden gezielt an Institutionen oder Personen (Untere Naturschutzbehörden der Landkreise, Landschaftspflegeverbände, Naturschutzvereine, Freilichtmuseen) versendet, die sich um einen flächenhaften Schutz der Segetalflora bemühen. Neben allgemeinen Angaben zu Standort, vorkommenden Arten auf der Schutzfläche und Aktivitäten zur Öffentlichkeitsarbeit standen Fragen zur Bewirtschaftung und Finanzierung im Mittelpunkt der Erfassung. Bei insgesamt 127 versendeten Fragebögen wurden 85 komplett und teilweise ausgefüllte Bögen bearbeitet und konnten zur weiteren Auswertung herangezogen werden, was einer Rücklaufquote von 67 % entspricht (vgl. MEYER et al. 2008).

Acker bei Roßbach (Nordhessen)
Acker bei Roßbach (Nordhessen)

Aus der Fragebogenauswertung sowie weiterführenden Literaturrecherchen konnten mehr als 170 Standorte lokalisiert werden, die dem flächenhaften Schutz der Segetalflora in Deutschland dienen oder dienten. Als „Hot spots“ des Ackerwildkrautschutzes in Deutschland gelten demnach die Gegend um Hannover, die Nieder- und Oberlausitz, Mitteldeutschland, die Nordeifel, das Maingebiet, der Rheingraben, das Gebiet der Schwäbischen Alb sowie der Bayerische Wald. Ursachen für die räumliche Konzentration liegen zum einen im Vorkommen artenreicher Felder, nicht zuletzt aber auch im Vorhandensein aktiver Vereine oder Einzelpersonen, die sich um den Schutz seltener Ackerwildkräuter bemühen.

Adonisröschen-Gesellschaft
Adonisröschen-Gesellschaft

Bemerkenswert ist, dass 54 % der Befragten (n = 79) bisher nicht im Erfahrungsaustausch mit Betreibern von anderen Schutzackerinitiativen stehen, jedoch äußern 95 % (n = 75) ihr Interesse daran, an einem bundesweiten Netzwerk zum Ackerwildkrautschutz mitzuwirken. Sie versprechen sich davon eine bessere Öffentlichkeitsarbeit, eine Stärkung des Stellenwertes des Ackerwildkrautschutzes, Kontakte und Anregungen und eine überregionale Vernetzung mit Effekten für den praktischen Naturschutz. Der bisherige Beitrag von Schutzäckern für einen wirksamen Ackerwildkrautschutz wird größtenteils als sehr wichtig, aber als bisher unzureichend durch „viel zu wenige“ und „zu kleine“ Flächen eingeschätzt. Insgesamt gewinnen Schutzflächenkonzepte für die Mehrzahl der Befragten zunehmend an Bedeutung, da die derzeitigen Ackerrandstreifenprogramme als zu unflexibel eingeschätzt werden und daher für Landwirte kaum einen Anreiz zur Mitarbeit bieten. Steigende Getreidepreise bewirken, dass die Akzeptanz für eine fünfjährige Bindung an ein Agrarumweltprogramm sinkt, zudem mit Vergütungen, die sich auf Getreidepreise des Vorjahres beziehen. In zahlreichen ausgefüllten Fragenbögen wird auf die fehlende langfristige finanzielle Sicherung der Bewirtschaftung auf der Schutzfläche hingewiesen.

Welche Ergebnisse gab es im Einzelnen?